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Maria Kostakeva, Metamorphose und Rezeption. Annäherung an die Klangwelten Adriana Hölszkys,  Hofheim: Wolke 2013, 255 S.

Maria Kostakeva, seit langem als Expertin für die Musik der Gegenwart ausgewiesen (vgl. hier 4,23; 15,62f.), legt erstmals „eine umfassende phänomenologische Studie“ (Umschlagtext) zur „Spezifik [des] musikalischen Stils [von Adriana Hölszky], ihrer Kompositionsmehtode und ihrer Weltanschauung“ vor (S. 11). „Ausgangs- und Brennpunkt des Buches ist die besondere Klangexpressivität der Musik Adriana Hölszkys, die hier als Spiegelung von Naturprozessen interpretiert wird“ (ebd.). Es entstand in engem Kontakt mit der Komponistin (vgl. fünf im Anhang wiedergegebene Gespräche aus den Jahren 2002 bis 2008, S. 209-228).Am Anfang stehen die Phänomene Gestik und Theatralität (S. 123f.): „Jede Musik hat ein immanent theatralisches Element“, so Hölszky (S. 27). Ihre erste Oper Bremer Freiheit (1987) versteht sue als „eine offene Gattung, die sich zu einer ‚Reise‘ durch verschiedene ‚Klanglandschaften‘ entwickelt“ (S. 34).„Durch die Befreiung von der Abhängigkeit von einer erzählten Geschichte, die Ablehnung der klassischen Erzähltechniken und der linearen theatralischen Konstellationen werden immer neue Perspktiven auf das Gehörte eröffnet“ (S. 39). – „Sowohl Adriana Hölszkys Ansichten als auch ihr Schaffen selbst verraten die typischen Merkmale des labyrinthischen Diskursrs: Diskontinuität, Ambivalenz, Variabilität, Globalität“ (S. 45).„Nicht kommunikative Funktionen, sondern Gestus und Ritus steuern die Klangaktionen ihrer Werke […] ‚Distanz und Inkompatibilität von Klang und Text‘, das ist das Grundprinzip Adriana Hölszkys in Bezug auf ihre textgebundenen Kompositionen“ (S. 85). „Nicht die Semantik, sondern die Klanglichkeit der Worte und der Duktus der Sprache trreten […] in den Vordergrund“ (S. 86).Das Musiktheater TRAGÖDIA – der unsichtbare Raum (1997, vgl. S. 110-123) legt ein auf Mythologisches rekurrierendes Libretto von &Thomas Körner zugrunde, allerdings wird der Text nicht gesungen und wurde auch nicht veröffentlicht: Der Text nimmt nicht auf die Semantik, sondern auf „die zeitlichen Proportionen innerhalb des Textes“ Bezug (S. 111). – Vorlage für Die Wände (1995, dazu S. 163-175) ist Jean Genets Schauspiel. „Das Entsubjektivierte und das Barbarische, das Magische und das Prosaische regten [Hölszkys] Phantasie an. Das Spiel von Tod und Fest und die Ambivalenz von Tod und Leben, Heiterkeit und Trauer, Lachen und Weinen spiegelten [ihre] gedankliche Welt auf ideale Weise“ (S. 168). – Giuseppe e Silvia (Buch Hans Neuenfels, S. 176-191) folgt der Technik des Films (S. 181), bietet „wirkliche Gesangspartien“ (S. 189), das Geschehen verweist auf Tiefenpsychologisches (S. 191). – Der gute Gott von Manhattan (2004) nach Ingeborg Bachmann (S. 193-204) besteht aus „auf dem Prinzip der Collage und Montage konzipierten [sic], knappen musiktheatralischen und vom Chor geprägtren Szenen“ (S. 196); Handlung und Figuren sind „vom Duktus des Apokalyptischen durchdrungen“ (S. 199).

Der Band ist schön gedruckt und reich illustriert: 63 Abb.en (zuzüglich drei farbigen, S. 233-236) zeigen vor allem Kompositionsskizzen, Partiturseiten u.ä.; hinzu kommen Privatphotos von Adriana Hölszky und Szenenbilder aus Aufführungen.

Albert Gier (Bamberg)

 

lasalvia24.2014 | 47

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