Frank Piontek: Wagner heute

Im Jahre 1955 konnte man im Programmbuch der Richard Wagner-Festwochen, die nun schon zum dritten Mal in Dessau stattfanden, folgende Zeilen lesen: Dass Wagners Werk auch jetzt [nach dem Lohengrin] die Ideen der Zeit widerspiegelt, ist nicht zu bestreiten; auch der Tristan drückt ihre Sehnsüchte, die sich zu den abgelegensten Gefühlen und Ideen versteigen, in heroisch-pessimistischer Klangekstase aus; die Meistersinger sind Ausdruck der nationalen Einigungsbestrebungen der 2. Jahrhunderthälfte; der Ring will die Schuldbeladenheit des dem Kapitalismus verfallenen Menschen und die Haltlosigkeit aller Bemühungen der Zeit zeigen, wobei zugleich in großem Umfange Schopenhauersche Ideen, die Modephilosophie des Bürgertums, mit sprechen und …

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